Orgel St. Maria - Göppingen
Disposition
Mechanische Kegelladen, vier große Stöpselbälge hinter der
Orgel. Erbaut 1851/52 als Opus 99 für die evang. Kirche in Köngen; restauriert und neu aufgestellt in St. Maria 1995/96
Es kommt nicht sehr häufig vor, daß eine historische Orgel ihren Standort wechselt. Im Fall der Walcker-Orgel, op. 99 war es die einzige Möglichkeit, das Instrument vor der Vernichtung zu bewahren. Ursprünglich erbaute Eberhard Friedrich Walcker, einer der bedeutendsten Orgelbauer des 19. Jahrhunderts, sein Opus 99 im Jahr 1851/52 für die evangelische Kirche in Köngen. Das Instrument besaß 26 Register verteilt auf 2 Manuale und Pedal. Als technisches System verwandte Walcker die von ihm entwickelte mechanische Kegellade. Die mit einem neugotischen Gehäuse versehene Orgel, kam auf einer Empore im Chorbogen zu stehen.
Von nun an verketten sich mehrere Umstände: Das Landesdenkmalamt untersucht 1991 die Walcker-Orgel und empfiehlt eine Restaurierung und Rückführung des Instruments in den Originalzustand. Burkhart Goethe, Orgelsachverständiger der ev. Landeskirche, wird als zusätzlicher Gutachter zu Rate gezogen und fertigt ein ausführliches "Inventar der Orgel in der Evang. Kirche Köngen, 1991" an, in dem er als einzigen Ausweg die Versetzung des Instruments in einen geeigneten Kirchenraum vorschlägt. Die kath. Gemeinde St. Maria, Göppingen, die bisher einen Orgelneubau geplant hatte, wird 1992 auf das Instrument in Köngen aufmerksam gemacht und prüft, ob die Übernahme des historischen Instruments eine mögliche Alternative zum Neubau wäre.
Als absolute Besonderheit der Restaurierung sei nur die originalgetreue Rekonstruktion der Stöpselbalganlage nach dem Vorbild in Bad Herrenalb, 1868, genannt. Um die Orgel mit "originalem" Wind zu versorgen und auch ohne Kalkanten in Betrieb nehmen zu können, hat die Firma Rensch eine computergesteuerte Anlage (auf dem Dachboden der Kirche) installiert, bei der je nach Bedarf die Bälge wechselweise mittels Elektromotoren aufgezogen werden.
Die Wiedereinweihung der Walcker-Orgel fand am 23. Juni 1996 statt. "Mit der historischen Walcker-Orgel Opus 99 besitzt die Kirchengemeinde St. Maria in Göppingen nunmehr, unter dem Blickwinkel der heutigen Orgellandschaft betrachtet, eines der wertvollsten Instrumente und einen der bedeutendsten Vertreter jener Epoche in Baden-Württemberg". - Dr. Klaus Könner, Landesdenkmalamt
Die Festschriften zur Neueinweihung der restaurierten Walcker-Orgel 1996 und zum Einbau des Bassethorns im Jahre 2002 erhalten Sie beim Kath. Pfarramt St. Maria, Marktstraße 35, 73033 Göppingen. Die umfangreichen Festschriften enthalten eine Fülle von Informationen zur restaurierten Orgel und der Konstruktionsweise der Kegelladenorgel im allgemeinen. Sie beschreibt außerdem die exakte Rekonstruktion in den Originalzustand. Die Orgelfestschriften enthalten darüber hinaus viele allgemeine und verständliche Hinweise zum Orgelbau in der Zeit der Romantik.
Weitere Informationen zur Geschichte und zur Orgelbaufirma Walcker finden sie hier.
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